Der Bahnhof Nottwil ist ein wichtiger Ankunfts-, Umsteige- und Aufenthaltsort für die Bevölkerung, Arbeitnehmende so wie für Besucherinnen und Besucher.
Das Bahnhofareal entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen an eine moderne, sichere und hindernisfreie Verkehrsanlage. Auf dem Bahnhofplatz sind Velounterstände, Autoparkplätze sowie Verkehrsflächen angeordnet. Die gleiche Fläche wird heute für Wendemanöver, Bring- und Abholfahrten sowie Anlieferungen genutzt. Da die verschiedenen Nutzungen nicht klar voneinander getrennt sind, kommt es zu Nutzungskonflikten, unübersichtlichen Situationen und Sicherheitsdefiziten. Die Zufahrt ist durch eine geringe Fahrbahnbreite sowie ein schmales Trottoir geprägt. Ein sicheres Kreuzen von Fahrzeugen ist nur eingeschränkt möglich und die Führung des Fussverkehrs ist ungenügend.
Der Bahnhof soll neu mit dem Bus (Linie 65) erschlossen werden. Heute halten alle Buslinien an der Haltestelle «Nottwil, Abzw. Bahnhof», rund 500 Meter vom Bahnhof entfernt. Diese Distanz und der Höhenunterschied stellen eine Hürde dar. Besonders für mobilitätseingeschränkte Personen, ältere Menschen oder Reisende mit Gepäck sind kurze, hindernisfreie Wege wichtig.
Die Gemeinde Nottwil plant das Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Luzern, dem Verkehrsverbund Luzern und den SBB.
Bessere und sichere Erschliessung der umliegenden Wohngebiete so-wie der Freizeitanlagen am See
Projektbeschrieb
Übersichtsplan mit Projektbestandteilen
1. Zufahrt Die Zufahrt ab der Verzweigung Seefeld wird verbreitert, saniert und das teilweise schmale Trottoir aufgehoben. Dieser Bereich wird als Begegnungszone mit Tempo 20 ausgestaltet, in welcher die Zufussgehenden Vortritt haben. Dadurch steht der Strassenraum allen Verkehrsteilnehmen-den gemeinsam zur Verfügung. Dies schafft mehr Platz für den Fussverkehr und verbessert die Sicherheit. Zudem wird die Befahrbarkeit deutlich verbessert und das Kreuzen von Fahrzeugen bei reduzierter Geschwindigkeit ermöglicht.
Die Bahnhofstrasse im oberen Abschnitt bleibt weiterhin eine 30er-Zone mit Trottoir. Auf der Bahnhofstrasse werden die Pflanzengefässe entfernt. Ein Bus und ein Auto können auf der bestehenden Strasse kreuzen. Falls später eine weitere Buslinie zum Bahnhof fährt, könnte eine Ausweichstelle erstellt werden. Zwei Meter Land entlang der Bahnhofstrasse heute im Besitz der Gemeinde. An heissen Sommertagen herrscht bereits heute ein erhöhtes Verkehrsaufkommen. Mit diesem Projekt wird dem Rechnung getragen und der Verkehrsdienst bei Bedarf ausgeweitet.
2. Begegnungszone Der Bahnhofbereich wird als Begegnungszone mit Tempo 20 ausgestaltet. Fussgängerinnen und Fussgänger haben Vortritt und können sich im gesamten Strassenraum frei bewegen. Durch die tiefere Geschwindigkeit können Fahrzeuglenkende besser auf unerwartete Situationen reagieren. Dank der Begegnungszone wird die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmen den erhöht, die Übersicht verbessert und die Aufenthaltsqualität gesteigert. Gemäss Studien und Erfahrungen aus anderen Gemeinden sind Begegnungszonen ein bewährtes Instrument zur Verkehrsberuhigung und werden erfolgreich in Ortszentren und Bahnhöfen sowie in Bereichen mit hoher Fussgängerfrequenz eingesetzt. Diese Massnahme erhöht die Verkehrssicherheit erheblich: Tempo 20 reduziert das Risiko schwerer Verletzungen um rund 80–90 Prozent.
3. bis 6. Parkplätze (Auto, Mofa, Velo) Die Parkierung wird neu geordnet, um bestehende Nutzungskonflikte zu reduzieren.
Parkbilanz
Bestand
Projekt
+/-
Parkplätze Park & Ride
9
10
+ 1
Kurzzeitparkplätze
0
2
+ 2
Behindertengerechte Parkplätze
2
2
+/- 0
Private Parkplätze SBB
2
2
+/- 0
Parkplatz Unterhalt SBB
1
1
+/- 0
Velo
224
152
-64
Mofa
19
8
-11
Die Anzahl der Veloparkplätze wurde aufgrund der Erfahrungen der SBB reduziert, da die obere Etage nur wenig genutzt wird. Bei Bedarf kann die Anzahl erhöht werden.
7. Gestaltungsflächen Neben den funktionalen Elementen sind Begrünungen, Bäume und Aufenthaltsbereiche vorgesehen, die den Bahnhofplatz aufwerten und zu einem attraktiven Erscheinungsbild beitragen.
8. Zugänge Die Zugänge zum Gleis 1 sowie der Personenunterführung sind in kurzer Distanz erreichbar.
9. Kundencenter Die SBB erneuert das bestehende Kundencenter. Geplant sind ein moderner Wartebereich sowie Verbesserungen bei der Fahrgastinformation.
10. Bushaltekante Es werden zwei hindernisfreie Bushaltekanten für Gelenkbusse erstellt, damit zwei Busse gleichzeitig halten und unabhängig wegfahren können. Sie ermöglichen einen niveaugleichen Ein- und Ausstieg.
Standort Bushaltestelle Drei Standorte für die Bushaltestelle wurden geprüft. Der Kanton unterstützt und finanziert nur Bushaltestellen, welche direkt am Bahnhof liegen, da Ein- und Ausstiege von Bus und Bahn örtlich nicht getrennt werden sollen. Betreffend Landbedarf und Kosten ist die Variante am Bahnhof ebenfalls die beste Lösung.
Lärmbelastung Der Busbetreiber ersetzt kontinuierlich die fossilen Busse durch leise Elektrobusse. Mit der Temporeduktion werden v. a. Rollgeräusche weiter reduziert.
Ausbau öffentlicher Verkehr/Busanbindung Bahnhof Im ÖV-Konzept Sempachersee West des Verkehrsverbunds Luzern sind eine verbesserte Vernetzung sowie ein gezielter Ausbau des öffentlichen Verkehrs vorgesehen. Mit der Buslinie 65 erhält die Bevölkerung neu eine direkte Verbindung zum Bahnhof Nottwil, was insbesondere für ältere Menschen und Rollstuhlfahrende einen grossen Vorteil darstellt. In den Bussen der Linie 65 hat es oft zu wenig Platz für Rollstühle und Kinderwagen. Viele benutzen den Bus nach Sursee, um nachher mit dem Zug nach Luzern zu gelangen. Mit der Anbindung an den Bahnhof Nottwil werden die Busse nach Sursee entlastet und der Nutzungskonflikt reduziert.
Die Buslinie 62 wird den Bahnhof Nottwil nicht anfahren. Aufgrund der fix definierten Bahnanschlüsse in Sursee entstehen keine Anschlüsse am Bahnhof Nottwil. Die geplante Verlängerung der Buslinie 70 (Rothenburg - Sempach-Neuenkirch-Nottwil) könnte bei entsprechender Nachfrage in Zukunft bis nach Nottwil geführt werden. Allerdings würde auch diese Linie nicht zum Bahnhof, sondern wie vom VVL vorgeschlagen direkt zum SPZ fahren. Derzeit wird zudem geprüft, ob eine neue Buslinie das geplante Spital und Pflegezentrum in Schenkon mit dem Zentrum von Sursee und dem Bahnhof Nottwil als Tangentiallinie verbinden soll. Bei Einführung dieser Linie könnten folglich künftig zwei Buslinien den Bahnhof Nottwil bedienen. Die Anschlüsse wären schlank nach Luzern orientiert. Die Fahrt mit dem öV direkt von Nottwil nach Luzern ist eine Tarifzone günstiger als via Sursee und kann je nach Situation interessant sein.
Kosten und Finanzierung
Die gesamten Investitionskosten für das vorliegende Projekt belaufen sich gemäss dem heutigen Wissensstand auf rund CHF 3’000’000 (inkl. MWST und Unvorhergesehenes / Kostenschätzung +/- 20 %). Davon muss die Gemeinde ca. CHF 800‘000 übernehmen. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) hat zugesagt, sich an den Kosten mit CHF 120‘000 zu beteiligen. Die restlichen Kosten von rund CHF 2.1 Mio. werden vom Kanton Luzern (vorbehältlich Regierungsratsbeschluss) und der SBB übernommen.
Die jährlichen Kosten (Abschreibungen der Investition, Zinsen und Anfahrt Bushaltestelle Bahnhof) betragen für die Gemeinde rund CHF 50‘000.
Information und Teilrevision an Gemeindeversammlung
18.06.2026
Urnenabstimmung Sonderkredit
27.09.2026
Bewilligungsverfahren / Planauflage
Herbst 2026
Ausführungsprojekt / Submission
Herbst 2026
Bauphase
ab Januar 2027
Inbetriebnahme per Fahrplanwechsel
Dezember 2027
Beurteilung Gemeinderat und Controlling-Kommission
Der Gemeinderat und die Controlling-Kommission sind überzeugt, dass mit dem vorliegenden Projekt eine nachhaltige und zukunftsgerichtete Lösung für den Bahnhof Nottwil geschaffen wird. Dank der Beteiligung von Kanton, SBB und der Schweizer Paraplegiker-Stiftung sind die Kosten für die Gemeinde tragbar.
Der Gemeinderat und die Controlling-Kommission empfehlen den Stimmberechtigten, dem vorliegenden Projekt zuzustimmen.
Weitere Informationen
Weitere Informationen erhalten Sie an der Informationsveranstaltung vom Montag, 8. Juni 2026 oder an der Gemeindeversammlung vom Donnerstag, 18. Juni 2026.
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